Zum Inhalt springen
Miedya Mahmmod & Lukas HermannDaniel Kötter (laut Dateiname)
CfLSprache

Miedya Mahmod & Lukas Hermann

Kleine KI und (De-)Territorialisierung von Sprache

01/2027Burg Hülshoff

Kleine KI und (De-)Territorialisierung von Sprache

Miedya Mahmod und Lukas Hermann erforschen, ob sich mit Sprachmodellen kleine Literatur schreiben lässt: eine Literatur, die „mit dem Sagen und Klingen beginnt“ und erst später begreift.

Große Sprachmodelle sind auf Glättung und statistische Mitte gebaut. Dialekte, Eigensprachen und Minderheitensprachen kommen aus ihnen geglättet wieder heraus. Das Team fragt, ob „kleine KIs“ stattdessen neue Weisen des Sprechens ermöglichen können.

Dafür entwickeln sie mehrere kleine KI-Systeme als präparierte Instrumente. Das künstlerische Tandem nutzt lokale Open-Source-Sprachmodelle wie Mistral und füttert sie mit eigenen Materialien, etwa Notizen auf Fotorückseiten oder Sprachmemos. Sie sollen Reflexionen über Sprachgewohnheiten, Glitch-Poesie und neue Textanstöße hervorbringen. Modulare Synthesizer, Text und Spoken Word spiegeln die Ergebnisse, die Stimme dabei immer als Steuersignal im Blick.

Theoretisch arbeitet das Team kritisch mit Deleuze/Guattari und der Idee der „kleinen Literatur“. Die Skepsis gegenüber KI wird zum künstlerischen Verfahren. Am Ende stehen ein interaktives Raumkonzept, in dem Besucher:innen die kleinen KIs an Stationen ausprobieren, und eine Publikation aus Text und Audio mit Schreibprotokollen samt Verwerfungen. Alle Systeme sind offen, lokal und nachnutzbar, und durch die lokale Installation nachhaltiger als Corporate AI.

Beteiligte

Miedya Mahmodsirren.de ↗

Miedya Mahmod ist Spoken-Word-Artist, Lyriker:in und Literaturvermittler:in aus Dortmund. Seit 2016 steht Miedya auf der Bühne, mit über 1.000 Auftritten unter anderem in der Elbphilharmonie Hamburg, im Literarischen Colloquium Berlin und am Schauspielhaus Bochum. 2023 gewann Miedya den Lyrikpreis beim open mike und den trinationalen Wettbewerb Textstreich. 2024 folgten die Nominierung für den Ingeborg-Bachmann-Preis und der Förderpreis Literaturpreis Ruhr.

2024 und 2025 war Miedya Hauskünstler:in auf Burg Hülshoff – Center for Literature, Artist-in-Residence in Istanbul und recherchierte mit dem Wim-Wenders-Stipendium für einen Dokumentarfilm in Kurdistan. Texte erschienen unter anderem in manuskripte, Delfi und BRACHE. 2026 erscheint Miedyas Lyrikdebüt Aus hingehaltener Zunge bei sirren.

Miedya ist Mitglied im Kollektiv parallelgesellschaft e.V., Gründungsmitglied der queerfeministischen Lesebühne „Aufruhrgebiet“, gibt Schreibworkshops und sitzt in Jurys. Aktuell arbeitet Miedya an einem Debütroman und einem experimentellen Dokumentarfilm.

Lukas Hermannreadymadebooks.de ↗brache-literatur.de ↗

Lukas Hermann ist Künstler, Musiker, Entwickler und Kulturveranstalter an der Schnittstelle von Literatur, Klang und Technologie. Er studierte Literaturwissenschaft, Musik und Informatik in Dortmund, Bonn und Florenz und schloss mit der Promotion ab. Seit 2017 entwickelt er die Lyrik-App Poesi. Als Musiker arbeitet er seit 2021 im Bereich experimenteller Elektronik mit Fokus auf Live-Improvisation. Sein erstes Album „A Deserted Trip“ erschien 2022 bei Hauch Records, sein zweites, „Startling Cracks“, 2023 bei Eurorack Ruhr.

Seit 2022 leitet Lukas im Ruhrgebiet das modus Festival für elektronische Musik künstlerisch, seit 2024 betreibt er in Gelsenkirchen die Buchhandlung readymade. Er co-redigiert dort auch die Literaturzeitung BRACHE und leitet gemeinsam mit Alma Gildenast den Projektraum irgendDorf. 2026 rief er das Label sirren für Text und Klang ins Leben. Im Juni 2026 realisierte er in Gelsenkirchen mit Miedya Mahmod und Henrike Dusella das Artistic-Research-Projekt „KI-Dorf“, gefördert von Soziokultur NRW.