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Sarah Buser & Kirsten Möller
KulturforumRaum

Sarah Buser & Kirsten Möller

Beyond Echoes

02/2027Witten

Beyond Echoes

Generative Künstliche Intelligenz beeinflusst gegenwärtig, wie Texte, Bilder und Wissen produziert und verteilt werden. Ausgangspunkt unseres Rechercheprojekts „Beyond Echoes“ ist das Phänomen des Model Collapse: Werden Sprachmodelle zunehmend mit synthetisch erzeugten Inhalten trainiert, verlieren sie schrittweise den Bezug zu den ursprünglichen menschlichen Daten. Seltene Informationen verschwinden, Fehler verstärken sich und es entsteht eine verzerrte Repräsentation der Wirklichkeit.

Dieses technische Phänomen nehmen wir als Denkfigur für unsere Kultur. Wir übertragen das Prinzip auf unsere Gegenwart und fragen: Was passiert mit einer Gesellschaft, die den Bezug zur Wirklichkeit verliert? Wie äussert sich eine Ablösung von menschlichen Bezugpunkten? Welches widerständige Wissen geht verloren? Und vor allem: Wie gelingt es einer entfremdeten Gesellschaft mit der Wirklichkeit verbunden zu bleiben?

Dafür entwickeln wir die Fiktion einer zukünftigen Gesellschaft, die einen solchen kulturellen Model Collapse bereits hinter sich hat und neue Formen des Weltbezugs wie etwa Erinnern, Wiedererzählen, Reparieren und aufmerksame Beobachtung entwickeln musste. Mit der Methode der Fabulierenden Ethnografie schauen wir aus dieser fiktionalisierten Perspektive auf unsere eigene Gegenwart. Wir beobachten, sammeln Fragmente und er-finden Schritt für Schritt eine Zukunft nach dem Model Collapse.

Aus dem erarbeiteten Material entwickeln wir eine prototypische interaktive Installation mit Virtual- und Augmented-Reality-Elementen. In der dramaturgischen Verdichtung untersuchen wir, wie sich komplexe Prozesse von generativer KI als körperliche und soziale Erfahrung vermitteln lassen. Playtests dienen dazu, Game-Mechaniken und inhaltliche Setzungen unserer Recherche iterativ zu überprüfen.

Beteiligte

Sarah Buser

Sarah Buser ist Regisseurin, Dramaturgin und Programmiererin. In ihrer Arbeit an partizipativen, theatralen Spielanlagen verbindet sie Narration, Code und Fiktion, um theoretische Konzepte und gesellschaftliche Phänomene interaktiv erfahrbar zu machen. Sie realisierte Projekte u.a. mit der Kunsthalle Basel, dem Theater Dortmund, der Ars Electronica in Linz und dem Berliner Ensemble. Sie studierte Philosophie und Germanistik an der Universität in Basel und Dramaturgie an der Zürcher Hochschule der Künste. Sie war Fellow an der Akademie für Theater und Digitalität, lehrte als Gastprofessorin für VR- und Multimediadesign an der Burg Giebichenstein in Halle und unterrichtet derzeit im Master Creative Technologies an der Filmuniversität Babelsberg.

Kirsten Möller

Kirsten Möller ist Dramaturgin, Regisseurin und Theaterwissenschaftlerin mit einem Fokus auf Interaktiven und Digitalen Dramaturgien. Mit dem Kollektiv Anna Kpok entwickelt sie Installationen, Performances und interaktive (Spiel)Räume als playful encounters, u.a. am Ringlokschuppen.Ruhr, Theater Dortmund, dem Fidena Festival, der Schaubude Berlin und der Ruhrtriennale. Von 2019 bis 2022 arbeitete sie als Dramaturgin am Schauspiel Dortmund. 2025 war sie LWL-Kulturstipendiatin mit einer Recherche zu Arbeiterinnenliteratur im Ruhrgebiet, in Kooperation mit dem Fritz-Hüser-Institut. Sie studierte Theaterwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum und promoviert zum Konzept der agonistischen Ästhetik in den zeitgenössischen Künsten.