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ATDInteraktion

Navid Razavi (v.rtx_void)

APHASIA: reading depth from the surface

01/2027Dortmund

APHASIA: reading depth from the surface

Systeme maschineller Wahrnehmung ordnen Menschen ein, täglich und meist unbemerkt. Die dreißigminütige interaktive Performance APHASIA richtet diese Systeme auf ihr eigenes Publikum: Linien legen sich über Körper, Gesichter werden wie Steckbriefe aufgereiht, Zuschreibungen erscheinen. Sie wandern vom scheinbar Neutralen zum politisch Aufgeladenen, zu Alter, Geschlecht, Emotion, „Rasse“: Kategorien, nach denen an Grenzen, bei polizeilicher und militärischer Repression und in Bewerbungsverfahren sortiert wird.

Dann wird die Kategorisierung hektisch: Ein Gesicht wird in Sekunden mehrfach anders gelesen, Zuschreibungen widersprechen sich, sortiert werden Stellen, an denen niemand steht. Nebel füllt den Raum und nimmt den Kameras das Bild. Am Ende verdichten sich Bild und Klang zu einem undifferenzierten Zustand. Dann bricht alles zusammen.

Der Titel geht auf eine Beobachtung zurück: Während eines Updates wurden die Antworten eines Sprachmodells immer wirrer, wie bei einer Aphasie. Die Arbeit behandelt solches Versagen nicht als Fehler: Ein Klassifikator sieht nur eine Oberfläche. Herkunft, Geschlecht und Gefühle stehen niemandem ins Gesicht geschrieben. Was ein System dort erkennt, stammt aus seinen eigenen Kategorien. Sein Scheitern ist aber auch Widerstand: Wer unlesbar bleibt, lässt sich nicht einordnen. Opazität ist ein Recht, das ungleich verteilt wird: Die Systeme bleiben undurchschaubar, während die Menschen lesbar sein sollen.

Ein erster Prototyp war im Juli 2026 an der Akademie für Theater und Digitalität zu sehen. In der Residenz bekommt der Apparat einen Körper: Ein Roboterarm muss sich zu einer Person drehen, um sie zu lesen. Laser tasten den Raum ab, bis derselbe Nebel, der die Kameras blind macht, die Strahlen selbst sichtbar werden lässt.

Beteiligte

Navid Razavi (v.rtx_void)

Navid Razavi (v.rtx_void) ist transdisziplinärer Medienkünstler und künstlerischer Forscher aus Köln. Er arbeitet zwischen interaktiver Installation, kinetischer Skulptur, Live-Performance, Expanded Cinema und Videodesign für die Bühne, zuletzt vor allem mit maschineller Wahrnehmung, räumlichem Klang und Licht. Seine Arbeiten kreisen um die Frage, was es heißt, Räume zu schaffen, in denen Existenz sich weigert, reduziert, kategorisiert oder ausgelöscht zu werden.

Er studierte an der Kunsthochschule für Medien Köln (Diplom mit Auszeichnung) und schloss 2026 den Master Theater und Digitalität an der Akademie für Theater und Digitalität / FH Dortmund ab. Derzeit forscht er am New Centre for Research & Practice.

Seine Arbeiten waren u. a. am Hambacher Schloss, in Berlin, im Aquazoo Löbbecke Museum Düsseldorf und auf dem Kölner Ebertplatz zu sehen. Für die Bühne arbeitete er u. a. mit dem Staatstheater Kassel, dem Theater Bielefeld und dem Sommerblut Festival. 2024 war er Resident im MUTEK.AE Performance Lab in Dubai.